Wie Dr. Stefan Belz Oberbürgermeister von Böblingen wurde

„Eigentlich habt Ihr keine Chance“. Mit etwa diesen Worten leitete Stefan Belz‘ Berater seinen Vortrag für das Wahlkampfteam ein. Am 29.12. trafen sich ca. 30 Leute in einem Konferenzraum des Hotels Reussenstein. Sie alle wollten Stefan Belz auf den Weg ins Böblinger Rathaus unterstützen. „95% aller Bürgermeister werden wiedergewählt“ ging es weiter. Einzig die Tatsache, dass das Helferteam so groß und motiviert war, machte ihm etwas Hoffnung, dass das Projekt „Oberbürgermeister“ funktionieren könnte. In der Tat war die Mannschaft recht groß und bestand nicht nur aus Parteifreunden, sondern auch aus außerparteilichen Freunden und Bekannten. Aus einer kleinen Umfrage von Studenten ergab sich eine gewissen Unzufriedenheit mit dem aktuellen OB, aber eine eindeutige Wechselstimmung war nicht zu vernehmen. Das sollte sich ändern. Wir erfuhren außerdem, dass die Unterstützung Lützners aus den eigenen Reihen nur mäßig sei. Ein gutes Zeichen.
Der Wahlkampfberater machte uns deutlich, dass der direkte Kontakt mit den Wählerinnen und Wählern am wichtigsten sei. Plakate und Anzeigen schön und gut, aber die direkte Ansprache bringe am meisten.

In 5 Wochen von null auf hundert

Bis dato kannte noch kaum jemand den Stadtrat Belz, höchstens einige aufmerksame Zeitungsleser haben die initiale Pressekonferenz am 15.12.2017 mitbekommen. Stefan Belz und OB Lützner stellten am gleichen Tag ihr Wahlprogramm vor, nur eine halbe Stunde voneinander getrennt. Der Pressetermin vom eloquenten Dr. Stefan Belz verlief gut und auch sein Berater war sehr zufrieden. Der erste Aha-Effekt war die Antwort auf die Frage eines Reporters, wie er denn die fehlende Kompetenz zur Führung einer Behörde kompensieren wolle. Die Antwort: „Die brauche ich nicht. Dafür habe ich Amtsleiter“. Das saß und wurde ohne Widersprüche hingenommen.
Der von der Wahlkommission bestimmte Wahlkampfbeginn war erst am 12.1.. Vorher durfte niemand Plakate öffentlich aufhängen. Die Aufgabe bestand also darin, innerhalb von 5 Wochen aus einem (fast) No-Name einen ernsthaften Bürgermeisterkandidaten werden zu lassen.


Pressekonferenz am 15.12.2017 mit Stefan Belz und Wahlkampfleiterin Marianne (rechts am Tisch)

Attacke

Aber Stefan Belz war gut vorbereitet. Er und sein Team hatten ein konkretes, ansprechendes und realistisches Wahlprogramm vorbereitet, das in drei Themenbereiche gegliedert war: Soziales, Lebensqualität/Verkehr und Wirtschaft. Zu allen drei Themen gab es konkrete Aussagen. Der Wahlkampf stand unter dem Motto: „Böblingen kann mehr“. Ein Teil des Wahlkampfes sollte die direkte Attacke gegen den amtierenden OB Wolfgang Lützner sein. Stefan Belz war 4 Jahre lang Stadtrat und äußerst unzufrieden mit Lützners Vorgehen. Böblingen wurde nicht nachhaltig entwickelt. Lützner verwaltete Böblingen ideenlos. Beim Sektor Verkehr versagte er völlig.

Der erste Kontakt

Das Seminar am 29.12. endete mit einer Generalprobe. Wir Wahlkampfhelfer sollten in der Nachbarschaft die Haushalte abklappern und Dr. Stefan Belz mit einem kurzen Satz vorstellen, nicht länger als 30 Sekunden. So konnten wir erstmals direkten Wahlkampf proben und Erfahrungen austauschen. Es war leichter als gedacht und die Leute waren recht zugänglich. Aber: Stefan Belz war noch recht unbekannt.
Einen Achtungserfolg hatte Stefan Belz bereits eingefahren: am 28.12. gab er eine Altstadtführung, die mit 70 Gästen sehr gut besucht war. Auch zwei CDU Stadträte wurden gesichtet.


Altstadtführung am 28.12.2017 mit über 70 Teilnehmern

„Lützner muss weg“

Böblingen wurde in Wahlkreise unterteilt, die Straße für Straße abgearbeitet werden sollten. In der ersten Januarwoche ging es richtig los. Das war völlig legal, denn wir waren als Privatpersonen unterwegs. Bereits besuchte Straßen wurden markiert, sodass sich die Helfer nicht gegenseitig auf die Füße traten. Durch das große Team konnten erstaunlich viele Böblingerinnen und Böblinger kontaktiert werden. Ich erinnere mich an die erste Tour zusammen mit Rainer in Nähe das Ganssees. Zum ersten Mal vernahmen wir Unmut über den derzeitigen OB. Sogar Sätze wie „Lützner muss weg“ waren zu vernehmen. Vor allem ältere Leute, die wahrscheinlich über die Zeitung über verschiedene Böblinger Reibungspunkte informiert waren, hegten Antipathien gegen Lützner. Das hatten wir so nicht erwartet, und es ermutigte uns zum Weitermachen.

Vorstellen, Vorstellen, Vorstellen

Zeitgleich stellte sich Stefan Belz vielen Vereinen, Schulen und anderen Vereinigungen vor. Altersheime waren auch Teil des Programms. Was wir durch den Tür-zu-Tür Wahlkampf feststellen konnten, war, dass Stefan Belz überall einen hervorragenden Eindruck hinterließ. Ich erinnere mich an einen Herren, dessen Mutter im Altersheim lag. Er war bei Stefan Belz‘ Besuch zufällig anwesend und konnte mit ihm ein paar Worte wechseln. Das genügte, um aus ihm einen Stefan-Belz-Wähler zu machen.
Stefan Belz suchte auch den Kontakt zur Fahrradlobby. Wir (ADFC, VCD, Radinitiative Böblingen) trafen uns mit ihm im Bootshaus und besprachen den allgemeinen Zustand des Fahrradverkehrs. Da Stefan Belz selbst Radler ist, waren die Überraschungen nicht allzu groß. Er konnte uns glaubwürdig versichern, dass der Radverkehr ihm ein wichtiges Anliegen ist. Außerdem erkennt er den Zusammenhang – im Gegensatz zu vielen anderen Kommunalpolitikern – zwischen mehr Radlern und Autoverkehr. Jeder Radler/in mehr auf den Straßen ist ein Auto weniger. Damit ist Platz gespart, wird weniger Parkraum benötigt und sogar der Autoverkehr läuft flüssiger. Man muss einfach bequeme und kostengünstige Alternativen schaffen, was auch so im Wahlprogramm steht.
Als Kontrast muss noch ein Erlebnis mit Herrn Lützner erzählt werden: Der Ortsverbandsvorsitzende des ADFC vereinbarte vor einiger Zeit ein Gespräch mit OB Lützner im Rathaus. Anstelle einer konstruktiven Diskussion wurde er vom OB regelrecht beschimpft. Lützner beschwerte sich über Radfahrer in der Fußgängerzone und ließ kein echtes Gespräch aufkommen. So jemand darf nicht wiedergewählt werden!


Stefan Belz beim Treffen mit den Fahrradvereinen am 18.12.2017

Die Schlagzahl wird höher

Neben dem Tür-zu-Tür-Wahlkampf waren noch viele weitere Dinge zu erledigen. Stefan Belz hatte vor, drei Zukunftsforen zu seinen Wahlkampfthemen zu veranstalten. Diese sollten auch demonstrieren, wie er sich aktive Bürgerbeteiligung vorstellt. Daneben mussten noch mehrere tausend Prospekte verteilt werden und Plakate kleben sich auch nicht von alleine. Langsam wurde es wirklich anstrengend, aber die Motivation litt nicht darunter. Der Bekanntheitsgrad von Stefan Belz stieg und das Feedback der Bürger wurde besser. Es lief fast schon besser als gedacht.
Am 12.1. 18:00 Uhr startete der offizielle Wahlkampf. Die Teams aller (ernstzunehmenden) Parteien legten los, wie aus der Pistole geschossen. Die Plakate hingen in Windeseile. Überall in der Stadt waren Monteure zu beobachten. Mir schien es, als ob Lützners Plakatkleber beauftragte Firmen waren. Die Plakate von Stefan Belz und Johannes Söhner wurden von Freiwilligen aufgehängt.
Etwas Glück gehört auch dazu: Die Reihenfolge der Kandidaten wurde vom Wahlausschuss gelost. Nr. 1 – Belz, Nr.2 – Lützner, Nr.3 – Miller, Nr.4 -Söhner.


Offizieller Wahlkampfauftakt am 12.1.2018

Es wird unfair

Die Gemeinde stellte an wichtigen Plätzen Plakatwände auf, um den Kandidaten Gelegenheit zu geben, sich zu präsentieren. Der Wahlausschuss unter Führung vom 1. Bürgermeister Tobias Heizmann legte fest, dass für die Plakatwände nur Plakate bis zur Größe DIN A1 gestattet sind. Wir hielten uns daran und klebten als erste unsere Plakate auf die linke Seite – schließlich wurde Stefan Belz als Nummer eins gelost und hat damit Anrecht auf diesen Platz.
Ein paar Tage später füllten sich die Plakatwände und rechts neben Belz prangte ein übergroßes DIN A0 Plakat von Wolfgang Lützner. Regelwidrig! Guter Rat war jetzt teuer, wie sollten wir uns verhalten? Einfach DIN A0 darüber kleben? Belz‘ Wahlkampfleiterin Marianne reagierte ruhig und besonnen und beschwerte sich erstmal beim Wahlausschuss. Lützners Team begründete sein Vorgehen mit einem „Versehen“. Der Ausschuss traf eine – in meinen Augen falsche – Entscheidung und ließ ab sofort DIN A0 Plakate zu. Das war reichlich unfair, denn zum einen passen gar nicht vier DIN A0 Plakate auf die Wand, zum anderen wir waren gezwungen, noch einmal zu plakatieren. Wahrscheinlich wollte Heizmann seinem vermeintlich künftigen Chef einen Gefallen tun. Als wir unsere DIN A1 Plakate durch DIN A0 Plakate ersetzten, bemerkten wir, das Lützners Plakate so geklebt waren, dass links für ein vollständiges DIN A0 Plakat kein Platz mehr war. Einfach unverschämt. Wir – Annemarie und ich – falteten unsere Plakate linksseitig, sodass es noch zur Geltung kam und das Wort „Lützner“ auf dem Nachbarplakat noch lesbar war. An zwei stellen waren Lützners Plakate jedoch derart rücksichtslos geklebt, dass wir keine andere Möglichkeit sahen und Lützners Plakate seinerseits überklebten.
Lützners „Versehen“ ging vollständig nach hinten los. Wenige Tage später berichtete die Kreiszeitung über den Vorfall und böse Leserbriefe folgten. Anstatt den Platzhirsch zu markieren hat Lützner wichtige Sympathien verspielt.


Wolfgang Lützners regelwidrige Plakate


Nicht einmal Platz für ein eigenes A0-Plakat hat er uns gelassen

Zukunftsforen

Am 8., 15. und 19. Januar waren Belz‘ Zukunftsforen zu den Punkten „Soziales“, „Lebensqualität/Verkehr“ und „Wirtschaft“ angesetzt, jeweils im Freiraum Nähe Kongresszentrum. Die Foren sollten in etwa so ablaufen:

Stefan stellt sich und sein Programm vor – Impulsvortrag eines Experten zum Thema – Arbeitstische zu verschiedenen (Unter)Themen – Zusammenfassung der Ergebnisse durch Stefan Belz – Offenes Ende

Die Foren bargen ein gewisses Risiko: Was, wenn nur wenige Gäste kommen? Zum Glück erschienen zu den drei Foren zwischen 70 und über 100 Personen. Stefan Belz konnte sein Programm gut vermitteln und man bekam einen guten Eindruck über eine mögliche Bürgerbeteiligung. Die Stimmung war sehr gelöst und angenehm, sodass man leicht mit vielen verschiedenen Leuten ins Gespräch bzw. Diskussion kam. Jeder Thementisch erarbeitete wenigstens 20 Vorschläge, die Stefan Belz aufnahm. Durch solche Veranstaltungen bekommt man ein Gefühl für Stadt und Leute und deren Wünsche. Ich werde die Veranstaltungen nie vergessen. Man wünscht sich, dass die Böblinger öfter durch derartige Events zusammen kommen und diskutieren. Mit Stefan Belz ist das sehr gut vorstellbar. Kurzum: Die Foren waren ein voller Erfolg.

In etwa zeitgleich gab es Veranstaltungen von Wolfgang Lützner „Auf’n Tee mit dem OB“. Unsere „Spione“ haben 15 oder 16 Besucher gezählt. Ich könnte mir vorstellen, dass es Wolfgang Lützner seit diesem Zeitpunkt langsam mit der Angst zu tun bekommen hat.


Stefan Belz beim Zukunftsforum am 15.1.2018


Impulsvortrag von Fahrradbloggerin und Stuttgarter Stadträtin Christine Lehmann


Rege Beteiligung und Diskussionen bei den Arbeitsgruppen

Die Kunst des Delegierens

Ein Grund, warum die Wahlkampf so gut lief und ebenso gut vorbereitet war, ist, dass Stefan delegieren kann. Es gibt viele Menschen, die gerne alles kontrollieren und bestimmen und sich dadurch verzetteln. Nicht so Stefan Belz. Er kümmerte sich um Inhalte und Kommunikation. Die Wahlkampfleitung lag bei Marianne, die alles hervorragend im Griff hatte. Es machte Spaß mit ihr zusammen zu arbeiten. Durch diese Arbeitsverteilung ist ein Team maximal leistungsfähig.
Die Organisation der Zukunftsforen überließ Stefan Belz ebenfalls uns: „Ich rede am Anfang und am Ende, den Rest erledigt ihr.“. Wir hatten also freie Hand, Personen für den Impulsvortrag auszuwählen und die Diskussionsthemen festzulegen. Wenn Stefan Belz alle Aufgaben auf sich gezogen hätte, hätte der Wahlkampf nicht so reibungslos funktioniert.

Die breite Öffentlichkeit

Auch wenn die bisherige Öffentlichkeitsarbeit wichtig war, so war die offizielle Kandidatenbefragung in der Kongresshalle das entscheidende Ereignis. Am 23.1.2018 wurden alle vier Kandidaten eingeladen und hatten die Möglichkeit, ihr Wahlprogramm vorzustellen. Die Kongresshalle war mit 1300 Besuchern rappelvoll. Stefan Belz hatte mit seiner Kandidatur Spannung in den Wahlkampf gebracht und viele Böblingerinnen und Böblinger wollten den Lützner-Konkurrenten begutachten. Jede(r) Kandidat(in) konnte zunächst in einer maximal 15-minütigen Rede dem Publikum nahebringen, wie man sich die nächste Bürgermeisterschaft vorzustellen habe. Wir vom Wahlkampfteam haben uns gleichmäßig unter das Publikum verteilt, um einzelne „Applausinseln“ zu bilden. Wären wir in einem Pulk zusammengesessen, wäre es sicher ein bisschen auffällig gewesen. Doch dieses taktische Spielchen war gar nicht notwendig. Stefan Belz – als erster an der Reihe – hielt seine Rede frei und klar. Unterbrochen wurde er lediglich von lautem Beifall. Das Programm und Kontur waren klar zu erkennen. Nun wusste man, mit was für einem Kandidaten man es zu tun hatte. Stefan Belz überzeugte auf ganzer Linie. Wolfgang Lützner war sichtlich aufgeregt und deutlich weniger souverän. Zudem musste er die Rede ablesen. Sein Versprecher „Blöd…Böblingen“ belustigte er das Publikum. In seiner Rede stellte er seine Vision von Böblingen 2026 vor. Der Funke sprang nicht über und er kassierte hier und da einige Lacher. Lützner war sicher auch etwas angeschlagen durch die Berichterstattung am Vortag. Die Kreiszeitung brachte einen Artikel über die oben erwähnte Regelverletzung durch die A0 Plakate.
Nach den vier Reden der Kandidaten konnte das Publikum Fragen stellen. Stefan Belz konnte mit seinen Antworten punkten. Die weitere Zusammenfassung sind in den Tageszeitungen zu lesen. Im Abschlussstatement machte Lützner wiederum keine gute Figur. Als er sich bei seinen Unterstützern bedankte, versagte kurz seine Stimme. Das Publikum reagiert mit einem „Ohhh“. Ja, fair war das nicht. Wolfgang Lützner machte einen angeschlagenen Eindruck. Stefan Belz war deutlich souveräner und war eindeutiger „Sieger“ des Abends. Einen Seitenhieb gab es dennoch: Fridi Miller warnte das Publikum, den „Fake Stefan Belz“ zu wählen und erntete laute Buhrufe. Toni, ein toller Wahlkampfkollege meinte nach der Veranstaltung: „Der Stefan macht’s im ersten Wahlgang“. Da ich ein skeptischer Mensch bin, konnte mich seine Euphorie nicht anstecken. Sollte er am Ende Recht behalten?


Die vier Kandidaten zu Anfang der Veranstaltung


Stefan Belz bei seiner frei gehaltenen Rede


Wolfgang Lützner bei seiner (abgelesenen) Rede

Die Spannung steigt

Der Wahlkampf ging in die entscheidende Phase. Nur noch zwei Wochen bis zur Wahl. Wir bauten nun Wahlkampfstände an vielen Stellen auf: Markt am Elbenplatz – Markt im Pestalozzihof – Mercaden – Diezenhalde – Dagersheim. Stefan Belz war nun sehr gut bekannt. Viele hatten die Vorstellung in der Kongresshalle besucht oder zumindest davon gehört. In unseren Gesprächen stießen wir auf immer mehr Zustimmung. Gerade die Generation 60+ wollte einen Wechsel. Gerade diese Generation, die ich immer für CDU-Stammwähler hielt, konnte auf einmal die Wahl entscheiden. Es gab Dialoge wie „Interesse am Wahlprogramm von Stefan Belz?“ – „Können Sie behalten. Der ist schon gewählt.“ wurden immer häufiger. Langsam konnte man sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit Wolfgang Lützner vorstellen. Stefan Belz machte seinen Tür-zu-Tür-Wahlkampf unverdrossen weiter. Wahrscheinlich war das einer der Schlüssel, um … wir werden ja sehen.
Wie groß das Interesse am neuen Kandidaten war, zeigte sich auch an der Veranstaltung zur Kandidatenbefragung durch die Kreiszeitung am 29.1.. Sie musste wegen großen Andrangs ebenfalls in die Kongresshalle verlegt werden. Das war Stefans Schuld: Jeder wollte einen persönlichen Eindruck von dem Newcomer bekommen. Bei dieser Veranstaltung wirkte Wolfgang Lützner deutlich aufgeräumter und hatte sich auf Stefan Belz‘ Argumente und Vorschläge eingestellt. Keiner der Kandidaten machte Fehler. Aber die Charaktere der Kandidaten wurden klar herausgearbeitet: Stefan Belz – strukturiert, angriffslustig und voller Tatendrang, Wolfgang Lützner – Verwalter, Fridi Miller – sehr fantasiereich aber mit ihren 50 OB-Bewerbungen nicht enrst zu nehmen, Johannes Söhner – Menschenfreund, Netzwerker, Visionär aber ohne Ausdauer.


Ein Wahlkampfstand vor den Mercaden und Huberts mobiler Werbebanner

Endspurt

Drei Tage vor der Wahl mutete sich Stefan Belz ein Mammutprogramm zu. Am Freitag Morgen in aller Früh verteilten wir Brezeln am Bahnhof. Es war hundskalt ich bereute, keine Mütze mitgenommen zu haben. Abends ging Stefan auf eine Wahlkampf-Kneipentour, um am nächsten Morgen den Dagersheimer Markt zu besuchen. Danach Standdienst vor den Mercaden und nachmittags weiter zur Diezenhalde. Abends wieder Kneipentour. Man sah Stefan Belz den Wahlkampf an. Aber das Feedback der Leute war fast durchweg positiv. Es gab nur sehr sehr wenige Luetzner-Befuerworter. Sollte das reichen? War unser Eindruck repräsentativ?
Am Freitag versuchte noch ein einsamer Lützner-Unterstützer die Lage zu retten, in dem er in Twitter schrieb:

Sein Account war erst im Januar angelegt worden und hatte 0 Follower. Ob das Wolfgang Lützner geholfen hat?

Am Samstag gab es noch ein Zusammentreffen zwischen Stefan Belz mit seinem Team und Wolfgang Luetzner mit seiner Wahlkampfleitern. Diese beschimpfte Stefan unflätig. Was sollte das denn? Aber damit war klar: Die Nerven lagen blank. Ahnten die beiden schon den Wahlausgang? Wolfgang Luetzner machte meist auf eigene Faust Wahlkampf. Selten sah man ihn in Begleitung. Ganz anders als bei Stefans Auftritten, wo immer mindestens 3 oder mehr Helfer auftauchten.

Vom Hof gejagt

Wie jeder andere Wahltag verlief der 4.2.2018 recht ruhig. Der Freitag Morgen hatte mir zugesetzt und ich lag am Nachmittag mit Stirnhöhlenentzündung im Bett. Ich rechnete erst gegen 20 Uhr mit den Wahlergebnissen. Doch gegen 18:15 brummte mein Handy und eine Meldung kam von meinem guten Freund und ebenfalls Wahlkämpfer Rainer: fast 50% für Belz, Lützner bei knapp über 30%, Söhner (wie erwartet) bei 20%. What?


Ein Zwischenergebnis

Danach kamen die Meldungen fast minütlich herein. Belz‘ Anteil stabilisierte sich bei über 50%. Gibt’s doch nicht…gibt’s doch nicht! Dann kurz nach 18:30: Gewonnen! Gewonnen! Wahnsinn, unfassbar. Im ersten Wahlgang!


Gratulation im Rathaus

Danach habe ich schnell eine Ibuprofen eingeworfen, meine Frau und meine beiden Töchter gepackt und bin zum Freiraum geeilt, der Ort der offiziellen Wahlparty. Der füllte sich langsam, alle gratulierten sich gegenseitig. Die ersten Bilder vom Rathaus wurden per Beamer übertragen. Stefan Belz hielt eine kurze Rede als Wahlsieger. Es ist unfassbar – der ganze Aufwand der letzten Wochen hatte sich ausgezahlt. Der Kampf um jede einzelne Stimme war belohnt worden. Wir haben es geschafft!

Um etwa 19:15 kam Stefan Belz mit seinem Gefolge vom Rathaus in den Freiraum. Sie können sich den Jubel vorstellen. Danach füllte sich der Raum mehr und mehr. Leider mussten wir die Party mit unseren Kindern gegen 20:30 Uhr verlassen. Mehr Stefan Belz konnte ich meiner Familie nicht mehr zumuten. Gegen 23 Uhr tauchte auch noch Grünen-Schwergewicht Boris Palmer auf und gratulierte. Böblingen ist zur grünen Hochburg mutiert.

Für Wolfgang Lützner war das sicherlich ein Schock. Er wurde mit diesem Wahlergebnis buchstäblich vom Hof gejagt. Er hatte es nicht geschafft, seinen Amtsbonus in Stimmen umzuwandeln. Aber man kann erahnen, woran das gelegen haben kann: Johannes Söhner hat er am Wahlabend den Handschlag verweigert und mit der Kreiszeitung wollte er wohl auch nicht sprechen. So macht man sich keine Freunde.

Stefan Belz hat die Wahl mit 51,30% abgeschlossen. Das sind genau 186 Stimmen mehr als die geforderten 50%. Der Kampf um jede einzelne Stimme hat die Wahl entschieden. Herzlichen Glückwunsch, Stefan! Herzlichen Glückwunsch Böblingen!

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