Die Eröffnung des ersten Baden-Württembergischen Radschnellwegs

Das war schon eine groß organisierte Eröffnungsfeier am 31. Mai 2019, wie man auch den Bildern entnehmen kann.

Die Radelprominenz, bestehend aus Landrat Roland Bernhard, Verkehrsminister Winfried Hermann, den Böblinger und Sindelfinger OBs Stefan Belz und Vöhringer, Thekla Walker von den Grünen und weiteren, war zuvor vom Landratsamt aus gestartet und kam fast pünktlich gegen 11 Uhr am Ort der Feier an, kurz hinter der Eisenbahnbrücke.

Nach einem kurzen Sammeln startete Roland Bernhard mit seiner Rede. Es gab einen kurzen Seitenhieb auf die Kopfsteinpflasterfanatiker, in dem er feststellte, dass der Belag unter der Teerdecke nicht besser konserviert werden könne. Die Archäologen in 200 Jahren würden sich freuen, eine so gut erhaltene Straße aufzufinden.

Außerdem stellte er fest, dass die Anbindung des Radschnellwegs verbesserungsbedürftig sei. Zum einen stelle die Überquerung der Straße nach Schönaich eine große Behinderung dar – wie sie selbst bei der Fahrt feststellen mussten –, zum anderen sei die Brücke über die Autonbahn nach Rohr viel zu schmal. Es existiere bereits eine Vorabplanung für eine Fahrradbrücke über die Straße nach Schönaich. Kosten etwa 2 Mio. Mit diesen Wünschen übergab er das Wort an Verkehrsminister Winfried Hermann.

Dieser sprach sich für das Ziel aus, den Radverkehr bis 2025 in Baden-Württemberg auf 20% zu erhöhen, was durchaus glaubhaft ist. Es war Winfried Hermann sehr wichtig, dieses Projekt erfolgreich durchzuführen. Weitere Radwege sollen unter anderem auf dem neuen Autobahndeckel angelegt werden. Für die Finanzierung einer Brücke zeigte er sich gesprächsbereit.

Der nächste Redner, OB Vöhringer von Sindelfingen, hob die gute Zusammenarbeit aller Beteiligten hervor, das sind die Gemeinden Böblingen und Sindelfingen, sowie der Kreis und das Land.

OB Stefan Belz von Böblingen lobte im Anschluss die schnelle Umsetzung. Ein höherer Radverkehrsanteil bedeute auch Klimaschutz. In Böblingen laufe gerade eine Untersuchung über den „Modal Split“, also die Verteilung der Mobilität auf die verschiedenen Verkehrsarten. Es gehe in Zukunft nicht nur darum, den bestehenden Radfahrerinnen und Radfahrern eine gute Infrastruktur zu bieten, sondern neue Fahrradfreundinnen und -freunde zu gewinnen. Dazu solle auch die Anbindung an die Radschnellwege angegangen werden. Ebenso stellte er fest, dass die bestehende Querungshilfe an der Straße nach Schönaich unzureichend sei.

Es folgte eine artistische Einlage der dreimaligen Europameisterin im Kunstradfahren (Name leider vergessen).

Peter Grotz, Kreisvorsitzender des ADFC, forderte als letzter der Redner, dass man nicht auf den Ausbau der Autobahn A81 warten könne, um ein durchgehendes Radwegenetzes zu schaffen. Man müsse sowohl die Innenstädte, als auch die Anbindungen an die Fernwege angehen. Dazu bot er auch die Expertise des ADFC an.

Darüberhinaus gefiel Peter Grotz die Schaltung der Lichtanlage nicht. Bereits um 20:30 Uhr soll diese komplett abgeschaltet werden, d.h. auch die segmentweise An- und Abschaltung funktioniert nicht mehr. Paradox, wie er meinte, denn man brauche die Lichtanlage genau dann, wenn es dunkel ist. Das Publikum applaudierte.

Danach ging es an die feierliche Einweihung. Symbolisch wurde das Zeichen „Radschnellweg“ auf den Boden gesprüht:

Obwohl der Radschnellweg auf allgemeine Zustimmung trifft, gab es unter dem Publikum immer noch Kritiker, die z.B. die Lichtanlage oder auch die Teerdecke als Geldverschwendung ansehen. Dabei ist ein Ziel des Radschnellwegs – wie auch Stefan Belz bereits anmerkte – möglichst viele neue Radfahrerinnen und Radfahrer anzulocken, sodass Straßen und Klima entlastet werden. Ein Kopfsteinpflaster im Dunkeln wirkt allgemein nur wenig einladend.

Während Landrat Bernhard, OB Belz und Verkehrsminister Hermann überzeugt vom Ausbau des Radverkehrs schienen, war zu hören, dass sich OB Vöhringer etwas schwerer damit tut. Der lange Zeitrahmen des Radverkehrausbaus bis 2030 in Sindelfingen wird allgemein kritisiert. Laut Hörensagen hat Sindelfingen mit Rücksicht auf Daimler es bereits in den 70er Jahren abgelehnt, eine S-Bahn zu bauen. Damit war Sindelfingen lange Zeit abgeschnitten vom S-Bahn-Netz, was erst viel später mühsam korrigiert wurde. Der Fehler könnte sich wiederholen, denn Böblingen gibt eindeutig Gas bei der Umgestaltung der Stadt. Schlossbergring und Elbenplatz werden bald anders aussehen und für viel mehr Lebensqualität und weniger Verkehr sorgen. Sindelfingen könnte hier den Anschluss verlieren – im wahrsten Sinne des Wortes.

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